Das Projekt
Immer wieder berichten begeisterte Pilotinnen und Piloten vom gemeinsamen Fliegen mit Vögeln. Ornithologen sind geteilter Meinung. Die einen vermuten hinter den gemeinsamen Flügen und Annäherungen Störungen, weil die Vögel zum Beispiel ihr Revier verteidigen und den vermeintlichen Eindringling vertreiben wollen. Andere schließen nicht aus, dass Neugierde und Spieltrieb die Ursache ist. Für Pilotinnen und Piloten ist eindeutig, dass Vögel die Luftfahrzeuge ebenso als Thermikanzeiger nutzen wie umgekehrt und sich deshalb oft annähern. Mitunter kommt es zu kritischen Situationen, Beinahe- und sehr selten tatsächlichen Zusammenstößen.
Um Pilotinnen und Piloten dabei zu helfen, solche Situationen zu vermeiden, und um Antworten auf wichtige Fragen wie die, ob es sich grundsätzlich um eine Störung handelt, wenn ein Vogel sich einem Luftfahrzeug annähert, zu beantworten, haben der DAeC und der DHV bereits vor fünf Jahren das Projekt Luftige Begegnungen ins Leben gerufen. Seither wurden Informationen über den Verlauf und die Art solcher Begegnungen gesammelt. Viele Piloten haben mitgemacht und ihre Beobachtungen gemeldet. Die Zwischenergebnisse sind ermutigend: Die allermeisten Begegnungen verlaufen offenbar unproblematisch und sind ein fantastisches Naturerlebnis. Nicht selten kreisen Seeadler, Steinadler, Bussarde oder Milane in weniger als 10 m Entfernung mit Pilotinnen und Piloten im Aufwind. Konflikte mit revierverteidigenden Vögeln scheinen erkenn- und lösbar.
Inzwischen interessieren sich auch Ornithologen für die Beobachtungen von Pilotinnen und Piloten, denn sie können Daten über die gefiederten Kollegen sammeln, die zumindest bodengebundene Ornithologen alleine so nicht oder nur mit großem Aufwand erbringen können. Zum Beispiel sind Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die die internationale Bartgeier-Datenbank betreuen, an einer systematischen Erfassung von Beobachtungsdaten von Luftfahrern interessiert. Um die Dateneingabe für die TeilnehmerInnen zu vereinfachen und um die Auswertbarkeit wissenschaftlich auswerten zu können, wurden die homepage, die Eingabemaske und die Datenbank überarbeitet.
Neue Phase
Damit geht das Projekt in eine neue Phase. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt Luftige Begegnungen des DAeC / DHV. Mit den Stiftungsmitteln wurde u.a. die neue Datenbank zur Erfassung der Beobachtungen programmiert. Pilotinnen und Piloten können über das Eingabeportal ihre Flüge und die Beobachtungen auf einfache Weise eingeben. So lässt sich zum Beispiel erfassen, welche Vogelarten wo und wann am meisten gesichtet werden und wie die Vögel sich verhalten. Als vor einigen Jahren die ersten Gänsegeier nach Deutschland einflogen, waren Segel- und Gleitschirmflieger auf der Schwäbischen Alb die Ersten, die die Ornithologen informierten.
Die Begegnungen werden mit Google-Maps sichtbar gemacht. Je zahlreicher die Meldungen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse. Fotos oder Videos, die von den Luftfahrern gemacht werden, können eingestellt werden (Kontaktadresse: info@luftige-begegnungen.de). Das beste Material wird veröffentlicht.
Die Monitoring-Teams
Jeweils mindestens zehn Pilotinnen und Piloten aus den verschiedenen Sparten bilden die so genannten Monitoringteams. Sie werden in dieser Flugsaison alle ihre Flüge und die dabei stattfindenden luftigen Begegnungen dokumentieren. So soll unter anderem ermittelt werden, wie häufig sich Vögel und Luftfahrer beim Fliegen begegnen.
Mit dem Projekt soll ein weiterer Beitrag des Luftsports zum Schutz der Natur und insbesondere zur Umsetzung der Nationalen Strategie der Biologischen Vielfalt (http://www.bmu.bund.de/) erbracht werden.